Die Lage bei Prokon eskaliert weiter!

Anlegerschützer nennen Prokons Insolvenz-Androhung vom vergangenen Samstag eine Erpressung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betruges und die angegebenen Summen zum gekündigten Kapital haben sich offenbar erhöht.

Nachdem der umstrittene Ökokonzern am vergangenen Samstag unverblümt seine Insolvenz ankündigte, wenn nicht 95 Prozent der Anleger bis zum Herbst stillhalten, sprach die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) von einer „klassischen Erpressung“. So wird DSW-Geschäftsführer Marc Tüngler in der „Bild am Sonntag“ zitiert. An diesem Montag wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Dresden Strafanzeigen gegen Prokon prüft.

„Wir prüfen, ob ein Anfangsverdacht wegen Betruges und weiterer Wirtschaftsdelikte besteht oder nicht“, wird die Dresdner Oberstaatsanwältin Wenke Haker-Alm in Agenturmeldungen zitiert. Auch sollen bis „Mitte Februar“, wie Prokon zunächst mitteilte, nicht 150 Millionen Euro fällig sein, sondern etwa 170 Millionen, berichtet der Norddeutsche Rundfunk ebenfalls unter Berufung auf Unternehmensangaben. Bereits im vergangenen Jahr hätten die Anleger laut Prokon bereits 130 Millionen Euro an Einlagen gekündigt.

Zweifel bestanden schon lange
Am vergangenen Wochenende hat Prokon mit seiner „Planinsolvenz“ gedroht. Diese könne laut einem Schreiben an die Anleger „nur verhindert werden, wenn wir für mindestens 95% des Genussrechtskapitals die Zusage erhalten, dass Sie uns Ihr Kapital mindestens bis zum 31.10.2014 nicht entziehen werden und einer Auszahlung, die auch in Raten erfolgen kann, zustimmen, oder wir ausreichend durch Neuzeichnungen unterstützt werden“.

Wenn Prokon in die Knie geht, dürften sehr große Teile der 1,4 Milliarden Euro untergehen, die das Unternehmen auf dem grauen, also nicht regulierten Kapitalmarkt bisher eingeworben hat. Offenbar nahmen in den vergangenen Monaten immer mehr Anleger Reißaus, weil kritische Presseberichte über Prokon sich mehrten. Auch „Finanztest“ hatte wiederholt vor Prokon gewarnt; vor allem, weil man dem Unternehmen mangelnde Transparenz vorwarf.

Vermittlung von Genussrechten nicht reguliert
Prokon wurde 1995 von Carsten Rodbertus gegründet, der das Unternehmen mit 1.300 Mitarbeitern noch heute leitet. Die Arbeitsplätze dürften nun sehr gefährdet sein. Genauso wie die Einlagen der laut Prokon 75.000 Investoren, die bisher 1,4 Milliarden Euro eingezahlt haben. Der Köder waren acht Prozent Verzinsung, für die der Konzern in Funk, Fernsehen und im Öffentlichen Nahverkehr warb. Allerdings bestanden seit Jahren Zweifel daran, wie die Einlagen konkret investiert sind und ob der operative Gewinn die Zinszahlungen überhaupt finanzieren kann. Und trotz aller Regulierung im Finanzvertrieb darf bis heute jeder Genussrechte verkaufen.

Foto: Prokon, Unternehmenswebseite

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